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Interview mit Jérôme Manente, Koordinator des Skillscenters bei LSC360, und Steve Barzacca, Leiter der Abteilung für Koordination, Steuerung und Skillscenter bei LSC360
„Was ich tue, verstehe ich.“
Das Skillscenter von LSC360 entstand aus einer einfachen Überzeugung: In Berufen, die sich ständig weiterentwickeln, darf die Weitergabe von Kompetenzen nicht auf Theorie beschränkt bleiben. Das Skillscenter ist als konkreter und immersiver Lernraum konzipiert. Es begleitet sowohl die Mitarbeiter von LSC360 als auch externe Akteure mit Schulungen in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit, Ingenieurwesen, Stadtentwicklung und Umwelt – direkt verknüpft mit der Praxis und den großen Herausforderungen der Zukunft.
Warum ist die Kompetenzentwicklung heute in den Bereichen Ingenieurwesen, Umwelt und Sicherheit besonders wichtig?
Steve Barzacca: Die zwei größten Herausforderungen, denen wir heutzutage begegnen, sind zum einen die sich ständig ändernden Vorschriften, die Ausbilder und Lernende dazu zwingen, stets auf dem neuesten Stand zu bleiben und zum anderen die wachsende Bedeutung von künstlicher Intelligenz in unserem Alltag. Es ist nicht nötig davor Angst zu haben, aber es ist wichtig, sich weiterzubilden, um dieses Werkzeug möglichst effizient und effektiv zu nutzen.
Jérôme Manente: Ich möchte ergänzen, dass in unseren Berufen – die nicht nur technische, sondern auch gesellschaftliche Aspekte betreffen – fehlende Kompetenzen schwerwiegende Folgen haben können: wirtschaftliche Verluste, Umweltschäden und manchmal sogar gravierende menschliche Konsequenzen. Kompetenzentwicklung ist daher ein echter Hebel für Sicherheit, Qualität, Leistung und Innovation.
Sie setzen auf einen sehr praxisnahen und immersiven Ansatz. Wie verändert das Lernen durch Erfahrung den Kompetenzerwerb?
JM: Immersion ist für uns ein zentrales Thema, weil wir überzeugt sind, dass Wissen nicht nur durch Zuhören vermittelt wird, sondern vor allem durch praktische Erfahrung. Es heißt nicht umsonst: „Was ich höre, vergesse ich; was ich sehe, an das erinnere ich mich; was ich tue, das verstehe ich.“ Wer die Möglichkeit hat, etwas auszuprobieren, Fehler zu machen und es erneut zu versuchen, ohne verurteilt zu werden, lernt besser und nachhaltiger.
Um diese Immersion zu ermöglichen, setzen wir besonders auf spielerische Pädagogik und neue interaktive Lehrmittel. Beispielsweise verwenden wir Augmented-Reality-Headsets, um die Teilnehmenden in eine realitätsnahe 3D-Umgebung zu versetzen, in der sie sich bewegen und mit realistischen Szenarien interagieren können.
SB: Wir sind überzeugt, dass Erfahrung entscheidend ist und Theorie und Praxis Hand in Hand gehen müssen. Darauf bauen wir unsere Schulungen auf, weil wir feststellen, dass Ingenieure und Architekten nach dem Studium oft noch zu wenig praktische Erfahrung haben, um das Gelernte umzusetzen – auch wenn sie viel Wissen gesammelt haben.
Was unterscheidet eine Schulung im Skillscenter konkret von anderen Angeboten?
JM: Die Ausbilder spielen bei uns eine Schlüsselrolle. Sie absolvieren selbst eine spezielle Ausbildung (PIC-F), in der sie lernen, Lernwege zu gestalten, die die Wissensvermittlung erleichtern. Eine dynamische Schulung ist kein Zufall: Es braucht Engagement und die Bereitschaft, Wissen weiterzugeben. Unsere Ausbilder sehen sich als Koordinatoren: Sie bieten engagierende, praxisnahe Schulungen, die direkt an den beruflichen Alltag anknüpfen. Fast alle sind fest bei LSC360 angestellt, sind Experten in ihrem Bereich und teilen ihr Wissen mit Leidenschaft.
Im Skillscenter erleben Sie also eine aktive Erfahrung. Sie sitzen nicht nur stundenlang da und hören zu, sondern nehmen aktiv teil, tauschen sich aus, denken mit, probieren aus – um selbst besser zu verstehen.
Wir kehren die klassische Trainingslogik um: Nicht die Ziele stehen im Vordergrund, sondern die Kompetenzen der Teilnehmenden. Jede Person durchläuft seinen eigenen Lernweg: Wir starten mit dem, was sie bereits weiß, bewerten, vergleichen die Praxis und gehen dann in die Umsetzung.
Sie bezeichnen Kompetenzentwicklung als Hebel für Sicherheit, Qualität, Leistung und Innovation. Können Sie das erläutern?
JM: Weiterbildung ist heute nicht mehr nur eine gesetzliche Pflicht, sondern eine strategische Investition. Die Entwicklung von Kompetenzen ermöglicht es Unternehmen, sich in allen genannten Bereichen zu verbessern – Sicherheit, Qualität, Leistung, Innovation –, sich den Veränderungen ihrer Branche anzupassen und neue Talente zu gewinnen.
SB: Aus meiner Sicht ist Weiterbildung auch eine Vorbereitung auf die Zukunft in einer Welt, die sich sehr schnell verändert – neue Vorschriften, künstliche Intelligenz… Weiterbildung ermöglicht, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben und den anderen einen Schritt voraus zu sein. Sie ist daher ein echter Leistungstreiber.
Sie schulen sowohl Ihre Mitarbeitenden als auch Kunden. Wie beeinflusst dieser doppelte Blickwinkel Ihre Schulungskonzepte?
SB: Unsere Ausbilder sind täglich in der Praxis tätig und können so ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen und zukünftige Bedürfnisse und Probleme der Kunden vorwegnehmen. Aber das funktioniert auch umgekehrt: Die Schulungen bringen uns wertvolles Feedback aus der Praxis – die Teilnehmenden berichten von ihren Herausforderungen und Erfolgen, wodurch wir die Schulungen weiter verbessern können.
JM: Diese doppelte Dynamik ist uns sehr wichtig. Sie gibt uns einen direkten Einblick in die tatsächlichen Bedürfnisse der Praxis. Weil wir selbst täglich mit den operativen Realitäten der Berufe konfrontiert sind, können wir sehr pragmatische, glaubwürdige und sofort anwendbare Inhalte entwickeln.
Wir bieten sowohl Standard- als auch maßgeschneiderte Schulungen an. So können wir die Nachfrage antizipieren und jede Entwicklung teilen. Das schafft Agilität und Authentizität in unserer Weiterbildung.
Wie wird Ihrer Meinung nach die Weiterbildung in Ihren Berufen morgen aussehen? Welche Rolle möchte das Skillscenter dabei spielen?
JM: Tafel und PowerPoint verschwinden zunehmend zugunsten neuer technischer und technologischer Lernmethoden, die die Lernenden immer mehr in reale Situationen einbinden. Wir arbeiten zum Beispiel mit Augmented-Reality-Headsets und einer mobilen Einheit, mit der wir das Skillscenter zu unseren Kunden bringen können, um die besten Schulungsbedingungen zu bieten. Weiterbildung wird also immer immersiver, individueller und digitaler – und zugleich paradoxerweise menschlicher.
Technische Hilfsmittel werden sich weiterentwickeln, besonders durch künstliche Intelligenz, aber der Mensch bleibt immer im Mittelpunkt. Ein Ausbilder, der Gefühle und Empathie zeigen kann, ist entscheidend für das Lernen. Gute Wissensvermittlung und das Verstehen einer Situation hängen auch von einem Lächeln, einer Stimme, einer Geste oder dem richtigen Sprechtempo ab.
SB : Wie Jérôme schon sagte, konzentrieren wir uns in Zukunft auf alle neuen technischen Möglichkeiten, die unsere Schulungen unterstützen. Aber wir werden immer Ausbilder brauchen, die Praxiserfahrung haben. Und wir werden den Austausch brauchen, weil er hilft, die Aufmerksamkeit hochzuhalten und das Lernen zu vertiefen. Eine künstliche Intelligenz kann das nicht leisten.
Auch wenn wir heute, auf Grund ihrer Flexibilität, immer mehr Online-Schulungen anbieten – bei denen die Teilnehmenden nicht extra anreisen müssen und riskieren im Stau zu stehen –, bleiben Präsenztrainings wichtig, weil sie einen Austausch ermöglichen, der online nicht möglich wäre. Deshalb sind sie aus meiner Sicht deutlich effektiver. Diese Entwicklung wird auch das Skillscenter prägen.
Artikel veröffentlicht in Neomag Nr. 79