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Hitzewellen treten in Luxemburg immer häufiger auf. Sie werden häufiger, dauern länger und sind intensiver – ein deutliches Zeichen dafür, dass der Klimawandel keine Prognose mehr ist, sondern eine Realität, an die sich Städte nun anpassen müssen.
Wenn die Temperaturen 35 °C überschreiten, lassen sich manche öffentlichen Räume nur noch schwer nutzen, dicht bebaute Stadtviertel bleiben bis tief in die Nacht hinein heiß, und das Wohlbefinden der Bewohner nimmt deutlich ab. Als Reaktion auf diesen Trend verändert sich auch die Gestaltung städtischer Räume. Die Bekämpfung von Wärmeinseln ist mittlerweile eine wichtige Priorität in der Stadtplanung.
„Heute besteht unsere Herausforderung nicht mehr nur darin, angenehme Räume zu schaffen. Wir müssen Städte so gestalten, dass sie auch während Hitzewellen komfortabel und lebenswert bleiben“, erklärt Anita Baum, Leiterin der Abteilung Landschaftsarchitektur bei LSC360.

Wenn die Stadt heißer wird als das Umland
Das Phänomen der städtischen Wärmeinseln ist mittlerweile gut dokumentiert. Es bezeichnet Gebiete, in denen die Temperatur deutlich höher ist als in benachbarten ländlichen Gebieten.
Die Hauptursache ist der hohe Anteil an versiegelten Flächen in Städten. Beton, Asphalt und undurchlässige Oberflächen absorbieren tagsüber einen großen Teil der Sonnenstrahlung und geben diese Wärme nachts nach und nach wieder ab. Die Temperaturen sinken daher viel langsamer als in natürlichen Umgebungen.
„Asphalt kann bis zu 90 Prozent der Sonnenstrahlung absorbieren. Dies erklärt, warum bestimmte Stadtviertel bis tief in die Nacht hinein heiß bleiben und die Temperaturen zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens nicht ausreichend sinken.“
Neben dieser Urbanisierung verschärfen der Mangel an Vegetation, die hohe Bebauungsdichte und menschliche Aktivitäten das Phänomen zusätzlich.
Für die Bewohner sind die Folgen unmittelbar spürbar: verminderter thermischer Komfort, sinkende Attraktivität öffentlicher Räume, Erschöpfung, Dehydrierung und erhöhte Gesundheitsrisiken, insbesondere für die am stärksten gefährdeten Personen. Das Problem ist zugleich ein gesundheitliches, soziales und städtebauliches.
Bäume: ein unverzichtbarer Faktor für die Klimaregulierung
Vegetation ist eines der wirksamsten Mittel zur Bekämpfung von Wärmeinseln, vorausgesetzt, sie beschränkt sich nicht auf einige vereinzelte Bepflanzungen.
„Vegetation ist eines der wirksamsten Mittel, darf aber nicht isoliert betrachtet werden. Wir müssen echte Systeme schaffen, die nachhaltig funktionieren können.“
Bäume spielen eine entscheidende Rolle. Dank des Schattens, den sie spenden, begrenzen sie die Erwärmung des Bodens. Sie wirken zudem durch Evapotranspiration: Das von ihren Wurzeln aufgenommene Wasser wird über ihre Blätter als Wasserdampf abgegeben, was die Umgebungsluft auf natürliche Weise kühlt. „Ein Baum ist nicht nur ein Landschaftselement. Er ist ein echtes klimaregulierendes Gut.“
Bei LSC360 geht dieser Ansatz weit über das bloße Pflanzen von Bäumen hinaus. Die Teams arbeiten daran, Flächen zu entmineralisieren, grüne Korridore zu entwickeln, durchgehende Pflanzgruben anzulegen, um sicherzustellen, dass Bäume über ausreichend Bodenvolumen verfügen, um nachhaltig zu wachsen, und technische Substrate einzusetzen, die den städtischen Gegebenheiten angepasst sind. Auch die Wahl der Baumarten ist entscheidend: Sie muss sowohl aktuelle als auch zukünftige klimatische Bedingungen sowie die spezifischen Eigenschaften jedes Standorts berücksichtigen. Die verfügbaren Flächen werden zudem durch begrünte Dächer, begrünte Fassaden und multifunktionale Entwicklungen optimiert, die städtische Nutzungen mit der Natur in Einklang bringen.
Dem Wasser seinen Platz zurückgeben
Wasser ist ein weiterer wichtiger Hebel.
Der sogenannte „Schwammstadt“-Ansatz besteht darin, Regenwasser in den Boden versickern zu lassen, anstatt es sofort in die Kanalisation abzuleiten. Dieses Wasser wird auf natürliche Weise gespeichert, bevor es nach und nach wieder an die Vegetation abgegeben wird. Dieser Prozess verbessert das Mikroklima durch Evapotranspiration und verringert gleichzeitig das Hochwasserrisiko.
In bestimmten stark bebauten Gebieten können ergänzende Lösungen in Betracht gezogen werden, wie beispielsweise städtische Vernebelungssysteme, die in mehreren französischen Städten bereits weit verbreitet sind. Ihr Einsatz erfordert jedoch eine Einbindung bereits in der Planungsphase des Projekts, um die technischen Anforderungen an die Wasserversorgung vorwegzunehmen.
Auch die Wahl der Materialien spielt eine Rolle
Materialien spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei den städtischen Temperaturen.
„Jedes Material hat unterschiedliche thermische Eigenschaften. Diese Entscheidungen müssen bereits in den frühesten Phasen des Projekts sorgfältig abgewogen werden.“
LSC360 bevorzugt hellere und wasserdurchlässige Beläge, deren Fähigkeit zur Reflexion der Sonnenstrahlung anhand des Solar Reflectance Index (SRI) gemessen wird. Je höher dieser Index ist, desto weniger Wärme speichert das Material. Beispielsweise hat herkömmlicher Asphalt einen SRI von etwa 12, während einige helle Belagsmaterialien einen Wert von über 75 erreichen können.
Zu den entwickelten Lösungen gehören grasbewachsener Beton, wasserdurchlässige Pflastersteine und Schotterrasen – ein Belag aus stabilisiertem Schotter und Vegetation, der robust genug ist, um gelegentlichen Fahrzeugverkehr zu bewältigen, gleichzeitig die Wasserversickerung fördert und die Erwärmung des Bodens begrenzt.
Maßnahmen bereits ab den ersten Entwürfen
Für Anita Baum ist eine der wichtigsten Botschaften die Bedeutung vorausschauender Planung.
„Man kann nicht einfach am Ende eines Projekts ein paar Bäume pflanzen und hoffen, damit ein Hitzeproblem zu lösen. Die wichtigsten Überlegungen müssen bereits in den Machbarkeitsstudien angestellt werden.“
Gebäudeanordnung, Straßenausrichtung, Luftzirkulation, der Anteil an Grünflächen, Regenwassermanagement, Materialauswahl: All diese Elemente beeinflussen direkt den zukünftigen thermischen Komfort. In dieser Phase werden die allgemeinen Leitlinien des Projekts festgelegt, zum Beispiel: die Priorisierung heller und wasserdurchlässiger Oberflächen, die Wahl eines an das lokale Klima angepassten Ansatzes und die richtige Dimensionierung von Freiflächen. Konkretere Entscheidungen, wie beispielsweise die Wahl der Baumarten oder der endgültigen Belagsmaterialien, werden im Laufe des Projekts schrittweise getroffen. Ein zu spätes Eingreifen oder umgekehrt die Forderung nach allzu detaillierten Antworten in einer zu frühen Phase schränkt den Handlungsspielraum ein und beeinträchtigt die Gesamtqualität des Entwurfs.
Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Neubauten und bestehenden Stadtvierteln. Während Neubauten mehr Freiheit bieten, diese Überlegungen von Anfang an einzubeziehen – da Landschaftsarchitekten mittlerweile bereits in einer sehr frühen Phase einbezogen werden –, stellt die Umgestaltung bereits bebauter Gebiete mittlerweile eine ebenso große Herausforderung dar, für die konkrete Lösungen gefunden werden müssen.
Ein Ansatz, der auf vielfältige Fachkompetenzen zurückgreift
Die Bekämpfung von Wärmeinseln geht weit über die reine Landschaftsgestaltung hinaus. Genau hier liegt eine der Stärken von LSC360: Durch die Zusammenführung von hauseigenen Landschaftsarchitekten, Stadtplanern, Ingenieuren mit Spezialisierung auf Umwelt und Biodiversität, Hydrologen, auf Straßen und Versorgungsnetze spezialisierte Bauingenieure sowie Experten für Verkehr und Mobilität zusammenbringt, ist das Unternehmen in der Lage, diese Herausforderungen bereits in den frühesten Projektphasen auf wirklich integrierte Weise anzugehen.
Ingenieure mit Spezialisierung auf Umwelt und Biodiversität arbeiten gemeinsam mit Landschaftsarchitekten daran, die ökologische Vernetzung und die Widerstandsfähigkeit von Bepflanzungen zu verbessern. Hydrologen arbeiten mit ihnen zusammen, um Lösungen im Sinne einer „Schwammstadt“ zu entwickeln. Straßenbauingenieure unterstützen sie bei der Identifizierung innovativer Belagsmaterialien, die thermische Leistung, Langlebigkeit und Sicherheit in Einklang bringen. Verkehrs- und Mobilitätsexperten stellen sicher, dass verkehrliche und erreichbarkeitsbezogene Einschränkungen berücksichtigt werden. Diese interne Zusammenarbeit ermöglicht eine schnelle Entscheidungsfindung und die Optimierung von Lösungen in jeder Phase.
„Wärmeinseln lassen sich nicht mit einer Einheitslösung bekämpfen. Erst die Kombination vieler Disziplinen ermöglicht es uns, wirklich widerstandsfähige Räume zu gestalten.“
Place Léon Jouhaux: ein konkretes Beispiel
Dieser Ansatz wird derzeit auf der Place Léon Jouhaux in Esch-sur-Alzette im Rahmen der nationalen Projektausschreibung „Méi Natur an eise Stied an Dierfer“ umgesetzt (ein vor einigen Jahren vom Ministerium für Umwelt, Klima und Biodiversität ins Leben gerufenes Programm, das Kommunalverwaltungen dazu ermutigen soll, versiegelte Flächen zu reduzieren und Grünflächen in öffentlichen Räumen anzulegen).
Der Platz, der derzeit hauptsächlich aus einem asphaltierten Parkplatz besteht, soll eine radikale Umgestaltung erfahren: Mehr als 80 Prozent seiner Fläche werden entsiegelt, der Grünanteil deutlich erhöht, schattige Bereiche erweitert und Elemente zur Förderung der Biodiversität und des natürlichen Wassermanagements in jeder Phase der Projektentwicklung integriert.
Die Beteiligung der Öffentlichkeit spielte in diesem Prozess eine zentrale Rolle: Mithilfe eines Online-Fragebogens und eines Präsenz-Workshops wurden die Erwartungen der Anwohner erfasst. Diese Ergebnisse flossen in die Planung ein: mehr Räume zur Entspannung und noch mehr Grünflächen.
Das Projekt, das sich derzeit in der Vorentwurfsphase (APS) befindet, wurde bei der Ausschreibung in der Kategorie „öffentliche Parkplätze“ mit dem ersten Platz ausgezeichnet.
„Wir ersetzen nicht einfach nur Asphalt durch Bäume. Wir schaffen ein echtes Mikroklima, das den Komfort der Nutzer nachhaltig verbessert.“
Temperaturmessungen vor und nach den Arbeiten könnten schließlich konkrete, objektive Belege für die Vorteile dieser Umgestaltung liefern.
Lösungen gibt es. Sie müssen nur umgesetzt werden.
Luxemburg hat kürzlich eine Strategie und einen Aktionsplan zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels (2025–2035) verabschiedet. Initiativen wie „Méi Natur an eise Stied an Dierfer“ ermutigen die Kommunalverwaltungen, ihre öffentlichen Räume umzugestalten.
„Lösungen gibt es. Wir wissen, wie man Räume gestaltet, die widerstandsfähiger gegen Hitzewellen sind. Die eigentliche Herausforderung besteht nun darin, diese Prinzipien systematisch in neue Projekte sowie in die Sanierung bestehender Stadtviertel zu integrieren.“
Angesichts der globalen Erwärmung sind Wärmeinseln kein Zukunftsproblem mehr. Sie sind bereits Realität. Die Entscheidungen, die heute getroffen werden, werden den Komfort, die Gesundheit und die Lebensqualität der Bewohner in den kommenden Jahrzehnten direkt beeinflussen.