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Als Ergänzung zu „Building360“, seiner Immobilienverwaltungsanwendung, entwickelt LSC360 derzeit die BEN-Plattform, die im November dieses Jahres auf dem bevorstehenden World Smart City Congress in Barcelona vorgestellt wird. Diese Abkürzung steht für „Building Embedded Network“ – eine Lösung auf Basis des IoT (Internet der Dinge) und künstlicher Intelligenz, die Energieverbrauchsdaten aus Gebäuden kommunaler Behörden in Echtzeit aggregiert, um Anomalien zu erkennen,
Warnmeldungen auszugeben und Empfehlungen zur Optimierung zu geben.
Luxemburgs Kommunen verwalten, wie alle öffentlichen Einrichtungen, einen umfangreichen Gebäudebestand. Vor welchen Herausforderungen stehen sie heute?
Sarah Weidert: Luxemburgs Kommunen verfügen über ein bedeutendes Immobilienportfolio mit zahlreichen zu verwaltenden Gebäuden. Eine der größten Herausforderungen besteht heute in der Verwaltung der Informationen zu diesen Gebäuden. Die Daten sind zwar in der Regel vorhanden, jedoch oft über verschiedene Abteilungen, Akteure oder Speichermedien verstreut. Die Idee ist daher, all diese Informationen an einem Ort zu bündeln, um den Zugriff zu erleichtern. Dadurch könnten wichtige Dokumente wie Pläne, Baugenehmigungen oder Energieausweise schnell gefunden werden, während gleichzeitig ein umfassender und effizienterer Überblick über den gesamten Immobilienbestand der Gemeinde geboten würde.
In welchem Zusammenhang wurde diese Plattform konzipiert?
Saël Gramdi: Diese Plattform ist Teil des Rahmens neuer gesetzlicher Verpflichtungen. Das Rundschreiben 2025-035 zur Umsetzung der EU-Richtlinie 2023/1791 vom 13. September 2023 zur Energieeffizienz verpflichtet öffentliche Einrichtungen dazu, den Energieverbrauch um 1,9 Prozent pro Jahr zu senken und jährlich 3 Prozent ihrer Energie-Referenzfläche zu sanieren. Ohne ein geeignetes Instrument zur Zentralisierung von Daten und zur Überwachung von Kennzahlen werden diese Verpflichtungen für Teams, die ohnehin schon zahlreiche Aufgaben unter einen Hut bringen müssen, unüberschaubar. Bislang gab es keine Lösung, die speziell auf den luxemburgischen Kontext zugeschnitten war und sowohl die geografische Dimension als auch die lokalen regulatorischen Verpflichtungen berücksichtigte: ministerielle Genehmigungen (ITM, Umweltverwaltung und Wasserwirtschaftsverwaltung), Klimapakt, Klimabonus, Lëtz Prepare… Genau diese Lücke schließt unsere Building360-App.
Als Ergänzung zu Building360 entwickeln wir gemeinsam mit MABU Concepts – einem Finalisten bei den World Smart City Awards 2025 in Barcelona – die Plattform BEN (Building Embedded Network), die Fachwissen in den Bereichen IoT und künstliche Intelligenz einbringt.
Welche Rolle spielt LSC360 bei der Entwicklung dieser Lösung?
SG: LSC360 ist die treibende Kraft hinter dem Projekt und für dessen Gesamtleitung verantwortlich. Unsere Position ist in Luxemburg einzigartig, und genau darin liegt die Stärke dieser Lösung: Wir sind sowohl ein anerkannter Akteur im Bereich geografischer Informationssysteme, der über SIGcom in rund zwei Dritteln der Kommunen vertreten ist, als auch ein führendes Unternehmen im Bereich Umwelt- und Energieexpertise als eines der größten Ingenieurbüros Luxemburgs in diesen Bereichen. Diese doppelte Kompetenz – GIS sowie Energie und Umwelt – ist das Herzstück der DNA von LSC360 und ein wertvoller Vorteil, der es uns ermöglicht, eine umfassende Lösung anzubieten.
Konkret entwickeln wir eine spezielle, in SIGcom integrierte Anwendung, die wir „Building360 App“ nennen – unsere Plattform für das kommunale Anlagenmanagement –, die mit BEN, dem „Building Embedded Network“, kommuniziert.
LSC360 übernimmt die GIS-Integration, die Kenntnisse des kommunalen Gebiets und die Implementierung; MABU Concepts stellt die Sensor- und Vorhersageebene bereit.
Gemeinsam bilden Building360 und BEN die beiden Säulen einer einheitlichen Vision: jedes Gebäude in einen „lebenden digitalen Zwilling“ zu verwandeln – ein Gebäude, das in Echtzeit überwacht, verstanden und gesteuert werden kann. Bevor dieser Ansatz schließlich auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet wird.
Und dies ist kein theoretisches Forschungsprojekt: LSC360 wurde in der ersten Runde der Smart-City-Projektausschreibung des Wirtschaftsministeriums als einziges Projekt in der Kategorie „Energie“ ausgewählt. Dies ist eine konkrete Bestätigung
durch die Behörden für die Relevanz unseres Ansatzes.
Unsere Teilnahme an der World Smart City Expo 2026 in Barcelona ist Teil der luxemburgischen Vertretung bei dieser globalen Veranstaltung und erfolgt in Abstimmung mit den luxemburgischen Behörden.
Was bietet die Building360-App an Neuem? Welche Vorteile haben öffentliche Einrichtungen davon?
SW: Der grundlegende Unterschied zu bestehenden Tools lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Integration. Die auf dem Markt verfügbaren Lösungen – seien es Facility-Management-Tools oder branchenspezifische Energieplattformen – sind entweder zu allgemein, um sich an den luxemburgischen Rechtsrahmen anzupassen, oder sie konzentrieren sich auf einen einzigen Bereich, ohne die anderen Aspekte des Anlagenmanagements abzudecken.
Building360 bietet fünf Geschäftsmodule innerhalb einer einzigen Benutzeroberfläche: Energie, Barrierefreiheit (für Menschen mit eingeschränkter Mobilität), Instandhaltung, Genehmigungen und Sicherheit. Und da die Lösung auf SIGcom basiert, wird jedes Gebäude geolokalisiert, kann auf einer Karte angezeigt werden und ist mit den Daten der Kommunalbehörden verknüpft. Doch wir gehen noch einen Schritt weiter: Zu unseren Dienstleistungen gehören 3D-Scans von Gebäuden, die es den Nutzern ermöglichen, sich von ihrem Arbeitsplatz aus virtuell im Inneren jedes Gebäudes zu bewegen, als wären sie physisch vor Ort. Die gesamte bebaute Umgebung wird von einem einzigen Bildschirm aus zugänglich, einsehbar und verwaltbar.
Und wenn eine Organisation bereits über ein BIM-Modell verfügt, können wir dieses direkt in SIGcom integrieren – ohne Datenverlust und ohne doppelte Dateneingabe. Bei Gebäuden, für die noch kein BIM-Modell vorliegt, ermöglicht unser 3D-Punktwolken-Scan
es uns, das gesamte Gebäude zentimetergenau zu vermessen und direkt aus dieser Punktwolke ein BIM-Modell zu generieren. LSC360 bietet somit ein lückenloses Kontinuum: von der physischen Erfassung des Gebäudes bis hin zu seinem intelligenten, vernetzten digitalen Zwilling.
SG: Es ist diese Kombination aus GIS, 3D-Scanning, IoT und KI, die den wahren digitalen Zwilling des Gebäudes ausmacht: Building360 liefert den geografischen und dokumentarischen Rahmen, der 3D-Scan verleiht ihm einen physischen, navigierbaren Körper,
und BEN haucht ihm Echtzeit-Intelligenz ein. Es ist diese geografische Ebene, die das Fundament für den digitalen Zwilling des Gebäudes bildet: Jedes Gerät, jeder Verbrauchswert, jede behördliche Frist
ist mit einem realen, lokalisierten, lebendigen Objekt verknüpft. BEN erweckt diesen digitalen Zwilling dann zum Leben, indem es ihn mit Echtzeit-IoT-Daten versorgt und künstliche Intelligenz einsetzt, um von der reinen Beobachtung zum Handeln überzugehen.
Für eine Organisation des öffentlichen Sektors bedeutet dies in der Praxis eine tiefgreifende Veränderung in der Art und Weise, wie sie ihre Anlagen verwaltet: Sie wechselt von einem reaktiven Management – bei dem erst eingegriffen wird, wenn ein Problem bereits aufgetreten ist – zu einem proaktiven Management,
dank der automatischen Erkennung von Anomalien. IoT-Sensoren überwachen ständig den Energieverbrauch, die Temperaturen und die Anlagen und geben Warnmeldungen aus, sobald ein abnormales Verhalten erkannt wird,
lange bevor es zu einem Ausfall oder zusätzlichen Kosten kommt. Dies ist einer der grundlegenden Unterschiede zu den auf dem Markt verfügbaren passiven Berichtstools, denen die Fähigkeit zu vorausschauenden Warnmeldungen fehlt.
Hinzu kommt eine Funktion, die wir als einen der greifbarsten Vorteile betrachten: ein personalisierter Energieberater, der auf KI basiert. Durch die Analyse aller Daten eines Gebäudes –
historische Verbrauchswerte, Sensordaten, technische Spezifikationen und Belegungsgrade – ist die künstliche Intelligenz in der Lage, maßgeschneiderte Optimierungsempfehlungen zu formulieren: Welche Anlagen sollten priorisiert werden?
Welche Zeitfenster sollten angepasst werden? Welche Sanierungsmaßnahmen bringen die beste Kapitalrendite? Es handelt sich nicht mehr nur um ein Dashboard, das man abfragt, sondern um einen Assistenten, der Vorschläge macht, warnt und anleitet.
Auf Gebäudeebene ist der digitale Zwilling somit bereits Realität und bietet eine umfassende, dynamische und intelligente Darstellung jedes Gebäudes. Doch dies ist nur der erste Schritt hin zu einem weitaus umfassenderen Ziel.
Wie wird sich die Building360-App weiterentwickeln?
SW: Wir haben die Building360-App mit einer modularen und skalierbaren Architektur konzipiert, um die Nutzer nicht an eine statische Lösung zu binden. Kurzfristig liegt der Fokus darauf, die fünf Module zu konsolidieren und sie bei ausgewählten Kommunalverwaltungen im Pilotbetrieb einzuführen. Mittelfristig befinden sich derzeit zwei wichtige Innovationsbereiche in der Entwicklung: ein KI-Modul zur automatischen Erkennung von Einrichtungen in 3D-Scans sowie eine auf einem LLM (Large Language Model) basierende Dokumentenanalyse-Engine, die auf luxemburgische Vorschriften spezialisiert ist, um die Extraktion von Informationen aus technischen Berichten und Baugenehmigungsunterlagen zu automatisieren.
SG: Unsere langfristige Vision ist jedoch noch ehrgeiziger. Was wir aufbauen wollen, ist eine Art „SimCity“ im echten Leben, um die jedem vertraute Videospiel-Metapher zu verwenden. Stellen Sie sich eine Benutzeroberfläche vor,
auf der Sie eine gesamte Gemeinde in Echtzeit visualisieren können: ihre Gebäude, ihren Energieverbrauch, ihre Verkehrsströme, ihre Umweltdaten – alles eingeblendet auf einem lebendigen Geo-Digital-Twin des Gebiets. Was wir derzeit mit Building360 und BEN Gebäude für Gebäude aufbauen, wollen wir auf regionaler Ebene zusammenführen: einen lebendigen kommunalen „Geo Digital Twin“, bei dem die Daten jedes einzelnen Gebäudes in eine Gesamtansicht der Gemeinde integriert werden. Und vor allem die Möglichkeit zur Simulation: Wenn wir dieses Stadtviertel neu gestalten, wenn wir diese Gebäude sanieren, wenn wir diese Infrastruktur umgestalten – welche Auswirkungen hat das auf die Bewohner, auf den Energieverbrauch und auf die Mobilität? Das ist das Versprechen des digitalen Zwillings auf kommunaler Ebene, und darauf arbeiten wir hin.
Artikel veröffentlicht in Neomag