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Die Abteilung Tiefbau von LSC360 begleitet Bauherren bei der Planung, Umsetzung und Überwachung von Bau- und Infrastrukturprojekten jeder Größenordnung und stellt sich dabei den Herausforderungen der Sanierung bestehender Gebäude, der CO2-Neutralität und der Digitalisierung.
Könnten Sie uns zunächst einmal die Abteilung Tiefbau von LSC360 vorstellen?
Sie beschäftigt rund 30 Mitarbeiter, die auf vier Abteilungen verteilt sind: Drei davon sind für Studien und Projekte zuständig, eine für die Bauleitung.
Unter den Studienabteilungen befasst sich die Abteilung „Grandes voiries” (große Straßen) mit der Straßeninfrastruktur: Stadtstraßen, Autobahnen, Autobahnkreuze, Straßen- und Bahnplattformen, Straßenbahnen usw.
Die Abteilung „Kunstbauten” befasst sich mit Straßen- und Eisenbahnbrücken, Fußgängerbrücken, Wild- und Wildtierübergängen sowie mit Tiefbauwerken wie Wassertürmen, Wasserfassungen oder Stützmauern. Er ist auch im Bereich Flussbauwerke (Anlegestellen) und Seebauwerke tätig, insbesondere im Rahmen internationaler Projekte, wie beispielsweise in Dakar. Diese Abteilung führt auch zahlreiche Inspektionen an bestehenden Bauwerken durch. Dabei handelt es sich um Diagnosen, mit denen ihr Erhaltungszustand bewertet und festgestellt werden kann, ob Sanierungs- oder Verstärkungsarbeiten erforderlich sind.
Der Dienst Verkehr und Mobilität entwickelt Mobilitätskonzepte für alle Verkehrsträger – Fußgänger, Radfahrer, öffentliche Verkehrsmittel – und auf allen Ebenen – kommunal, regional oder national. Er erstellt auch Pläne für den Schulverkehr, das Parken, die Verkehrsberuhigung sowie Verkehrsregeln. Die Abteilung unterstützt Stadtplanungsprojekte, führt Verkehrssicherheitsaudits und Verkehrsanalysen durch und trägt zur Optimierung der öffentlichen Verkehrsnetze bei.
Die Abteilung „Direction des travaux” (Bauleitung) übernimmt die Aufgaben, sobald die Studien abgeschlossen und die Bauarbeiten begonnen haben. Sie sorgt für den reibungslosen Ablauf der Arbeiten, überwacht und kontrolliert diese im Auftrag des Bauherrn und fungiert als Schnittstelle zwischen diesem, dem Planungsbüro und den verschiedenen Behörden.
Unsere Hauptkunden sind öffentliche Bauherren wie die Straßen- und Brückenbaubehörde, Luxtram oder Gemeinden. Wir arbeiten auch mit Bauunternehmen zusammen, vor allem auf internationaler Ebene. Wir betreuen Projekte von A bis Z, vom Entwurf bis zur Ausführungsplanung.
Schließlich arbeiten wir eng mit den anderen Abteilungen von LSC360 zusammen, insbesondere mit der Abteilung Environment & Sustainability für CO2-Bilanzen, der Abteilung Geodata für die Überwachung von Baustellen mittels Instant As-Built-Technologie – Datenerfassung per Drohne, die direkt in die Pläne eingespeist werden – sowie der Abteilung Spatial Planning im Rahmen von Stadtplanungsprojekten, die Mobilität integrieren, wie z. B. PAG, PAP oder Planungswettbewerbe.
Was sind derzeit die größten Herausforderungen, mit denen Sie in Ihren Arbeitsbereichen konfrontiert sind?
Die Modernisierung und Instandhaltung der bestehenden öffentlichen Infrastruktur ist eine davon. Im Großherzogtum gibt es heute etwa 1300 Straßenbauwerke (Brücken und Tunnel). Die meisten dieser Bauwerke, die vor etwa fünfzig Jahren errichtet wurden, erfordern heute umfangreiche Sanierungsarbeiten, um den aktuellen Normen zu entsprechen und die durch die Alterung der Materialien verursachten Schäden zu beheben. Stahlbeton, der in den 1960er Jahren aufgrund seiner einfachen Verarbeitbarkeit und seiner Widerstandsfähigkeit häufig verwendet wurde, ist im Laufe der Zeit und je nach Umgebung mechanischen, chemischen und physikalischen Einflüssen ausgesetzt, die bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden müssen.
Eine weitere große Herausforderung ist die nachhaltige Mobilität, insbesondere die Integration verschiedener Verkehrsträger, um die Abhängigkeit vom Individualverkehr in städtischen Gebieten zu verringern. In Luxemburg ist das Radwegenetz besonders dicht, und wir arbeiten aktiv an seiner Erweiterung und Anbindung an noch wenig erschlossene Gebiete. Dies erfordert regelmäßig Anpassungen, wie z. B. die Verbreiterung von Straßen oder die Änderung bestehender Bauwerke, um ein reibungsloses und sicheres Miteinander der Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten.
Die Integration von BIM ist ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Projekte. Bereits in den Anfangsphasen verwenden wir 3D-Modellierung für die Erstellung von Plänen, die Integration bestehender Umgebungselemente sowie die Überwachung der Entwicklung der Bauwerke während der gesamten Bauphase. Das Ziel ist es, nach Abschluss der Bauarbeiten ein digitales Modell zu liefern, das dem fertiggestellten Bauwerk entspricht und das der Bauherr für die Instandhaltung und Verwaltung seiner Infrastruktur nutzen kann. Die Einführung dieser digitalen Tools geht natürlich mit einer Unterstützung der Teams durch gezielte Schulungen einher, um eine effiziente Beherrschung der neuen Tools und Methoden zu gewährleisten.
Was tun Sie heute im Bereich der Materialien, um Projekte nachhaltiger zu gestalten?
Unsere Projekte werden bereits in den ersten Phasen so konzipiert, dass die Materialmengen optimiert und deren Wiederverwendung gefördert werden. Bei Straßenbauarbeiten beispielsweise werden alle Aushubmaterialien systematisch analysiert, um sie so weit wie möglich vor Ort wiederzuverwenden oder auf anderen Baustellen zu verwerten. Dieser Ansatz ermöglicht es, sowohl den CO2-Fußabdruck der Projekte als auch das Abfallaufkommen zu reduzieren und gleichzeitig die Kosten zu kontrollieren.
Bei unseren Ingenieurbauwerken bevorzugen wir so weit wie möglich den Einsatz von Materialien mit geringer Umweltbelastung. Wir verwenden insbesondere Stahl, der in mit grüner Energie betriebenen Elektroöfen hergestellt wird, kohlenstoffarmen Beton, selbstpatinierenden Stahl sowie Verbundwerkstoffe, die die Eigenschaften von Stahl und Beton auf intelligente Weise kombinieren. Diese Entscheidungen ermöglichen es uns nicht nur, den Materialverbrauch zu reduzieren, sondern auch Bauwerke mit größeren Spannweiten zu entwerfen und dabei Robustheit, Langlebigkeit und CO2-Neutralität zu gewährleisten.
Wie sieht es mit der Verwendung von Holz im Ingenieurbau aus?
Bislang liegen noch wenige Erfahrungswerte zur Verwendung von Holz im Infrastrukturbau vor, und seine langfristige Haltbarkeit wirft weiterhin Fragen auf. In den nordischen Ländern oder in der Schweiz wird Holz – allein oder in Kombination mit anderen Materialien wie Beton oder Stahl – häufig verwendet, insbesondere für Brücken oder Mischkonstruktionen aus Holz und Beton oder Holz und Stahl. In Luxemburg hingegen ist seine Verwendung nach wie vor begrenzt und beschränkt sich im Wesentlichen auf leichte Bauwerke wie Fußgängerbrücken.
Berechnen Sie die CO2-Bilanz Ihrer Projekte? Und welchen Stellenwert haben diese Bilanzen bei den Entscheidungen der Bauherren?
Wir wenden diesen Ansatz systematisch an, in enger Zusammenarbeit mit unserer Abteilung Environment & Sustainability, die auch die EPD (Environmental Product Declaration) erstellt, in der quantifizierte und überprüfte Informationen über die Umweltauswirkungen eines Produkts während seines gesamten Lebenszyklus aufgeführt sind.
Bei der Präsentation des Vorentwurfs beim Bauherrn überreichen wir ihm eine Tabelle mit mehreren Kriterien, in der die Vor- und Nachteile jeder in Betracht gezogenen Lösung aufgeführt sind. Die endgültige Entscheidung liegt dann beim Bauherrn.
Wie verbinden Sie Ästhetik, Innovation und Nachhaltigkeit in Ihren Projekten?
Bei Infrastrukturprojekten ist die Anwesenheit eines Architekten selten erforderlich. Daher übernimmt unser Team, außer in besonderen Fällen, die Gestaltung der Bauwerke. Wir achten auf die Harmonie zwischen Form, Funktion und Umgebung, um Strukturen zu entwerfen, die sowohl ästhetisch als auch funktional sind und sich perfekt in ihren Kontext einfügen. Darüber hinaus integrieren wir, wie bereits erwähnt, systematisch innovative Materialien mit geringer Umweltbelastung in unsere Entwürfe, was im Einklang mit unserem Engagement für nachhaltige Infrastrukturen steht.
Fortschrittliche Bautechniken wie die Vorfertigung im Werk sind ein wichtiger Hebel für die Optimierung von Bauwerken. Darüber hinaus entwerfen wir zunehmend Integralbrücken – Bauwerke ohne Lager und Fahrbahnübergänge –, wodurch der Bauherr den Wartungsaufwand erheblich reduzieren kann, da diese Elemente in der Regel einer schnellen Abnutzung unterliegen. Zusätzlich zu diesen Wartungsvorteilen stellt die Integralbrücke ein kohärentes statisches System dar, das eine bessere Materialoptimierung ermöglicht.
Welche kürzlich realisierten Projekte würden Sie als Beispiele für Ihre Arbeit nennen?
Das Straßenbahnprojekt hat unsere Teams in den letzten Jahren stark beschäftigt und tut dies auch heute noch. Wir haben Luxtram sowohl in der Planungs- als auch in der Ausführungsphase der ersten derzeit in Betrieb befindlichen Abschnitte begleitet und sind stolz darauf, zu diesem symbolträchtigen Projekt beigetragen zu haben, das auf nationaler Ebene große Anerkennung gefunden hat.
Parallel dazu sind wir im Auftrag der Straßen- und Brückenbaubehörde an mehreren Autobahnausbauprojekten beteiligt, mit dem Ziel, die nationale Mobilität zu verbessern – eine echte Herausforderung im aktuellen Kontext. Wir haben auch die grenzüberschreitende Verbindung Esch-Micheville entworfen, die Luxemburg im Süden des Landes mit Frankreich verbindet. Dieses Projekt, das das ehemalige Gelände von ArcelorMittal durchquert, ist Teil der umfassenderen Umgestaltung dieser strategisch wichtigen Industriebrache.
Wir haben auch die Studien für den neuen Wasserturm in Kirchberg durchgeführt, dessen Struktur sich perfekt in seine Umgebung einfügt. Darüber hinaus zeugen mehrere unserer internationalen Infrastrukturprojekte – insbesondere in Frankreich und Afrika – von der Fähigkeit unserer Teams, ihr Know-how an unterschiedliche geografische, technische und kulturelle Gegebenheiten anzupassen.
Artikel erschienen in Neomag 73 – Foto: © Picto communication partners – Fanny Krackenberger