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Februar 13, 2025

Ein maßgeschneidertes Label für Luxemburg

Als Reaktion auf die besonderen Herausforderungen, denen sich das Großherzogtum gegenübersieht, wird derzeit ein innovatives Label geschaffen, um nachhaltige und resiliente Projekte zu fördern. SERENE wurde speziell für die lokalen Bedürfnisse entwickelt und entsteht in Zusammenarbeit mit nationalen Experten und Institutionen. Caroline Drouard, Direktorin für Raumplanung, und Thomas Biendel, Leiter Innovation und Direktor für Hydrologie bei LSC360, die an der Entwicklung beteiligt sind, erläutern die Ziele und Perspektiven des Labels.

Können Sie uns mehr über die Entstehung des SERENE-Labels und die spezifischen lokalen Bedürfnisse erzählen, die Sie in Luxemburg identifiziert haben und die zu seiner Schaffung geführt haben?

CD: SERENE ist eine Abkürzung für „Sustainable, Healthy, and Resilient Cities and Neighbourhoods” (Nachhaltige, gesunde und resiliente Städte und Stadtteile). Die Idee zu seiner Schaffung entstand aus einer gemeinsamen Reflexion über die bestehenden Instrumente für Nachhaltigkeit und Resilienz in Luxemburg. Seit vielen Jahren beschäftigt sich unsere Gruppe intensiv mit nachhaltiger Entwicklung und Resilienz in verschiedenen Formen: bei der Planung, Projektion, Durchführung, Überwachung und Analyse von Projekten.

TB: Im Laufe der Zeit haben wir festgestellt, dass die verfügbaren Instrumente und Labels, die größtenteils aus anderen europäischen Ländern stammten, nicht vollständig den Besonderheiten des luxemburgischen Kontexts entsprachen. Diese Labels waren entweder zu allgemein oder zu sehr auf Kriterien ausgerichtet, die für das Großherzogtum und die lokalen Probleme, die darüber entscheiden, ob ein Projekt wirklich resilient ist oder nicht, nicht direkt relevant waren. Wir sind auch der Meinung, dass es nicht ausreicht, Resilienz nur auf Gebäudeebene zu betrachten. Auf Nachbarschaftsebene stehen sehr wichtige Fragen auf dem Spiel, die manchmal viel größere Auswirkungen haben.

CD: Ein Beispiel unter vielen für lokale Besonderheiten ist die Entsorgung von Aushub und Boden. Die Deponien des Landes sind seit langem ausgelastet und können keine großen Mengen an Aushub mehr aufnehmen. Ein resilientes Projekt sollte daher diese Bewirtschaftung optimieren, indem es die Entsorgung begrenzt oder die Materialien vor Ort verwaltet. Dies ist ein lokales Problem, das von internationalen Labels nicht berücksichtigt wird, da es im Ausland weniger ausgeprägt ist. Wenn man die Überlastung der Straßen in Luxemburg betrachtet, wird deutlich, dass der Transport von inerten Materialien Auswirkungen hat, die weit über den CO2-Fußabdruck hinausgehen.

Was garantiert die Legitimität dieses Labels und verhindert, dass es zu einem reinen Marketinginstrument wird?

TB: Das ist eine entscheidende Frage, und genau um nicht in die Falle des Greenwashing zu tappen, wurde dieses Projekt ins Leben gerufen. Wir wollen kein Label schaffen, das nur dazu dient, es wie eine Medaille oder ein Verkaufsargument zu präsentieren, um ein Kästchen anzukreuzen oder den kommerziellen Wert einer Immobilie zu steigern.

Wir möchten, dass dieses Label gemeinsam mit allen Interessengruppen hier in Luxemburg entwickelt wird und ein echtes Bewusstsein und eine echte Zusammenarbeit zwischen Fachleuten der Branche, Experten und natürlich den Behörden widerspiegelt. Diese gemeinsame Anstrengung wird die Legitimität des Labels gewährleisten. Wenn das Label erfolgreich ist, könnten in Zukunft vielfältige (Ko-)Finanzierungslösungen ins Auge gefasst werden.

CD: Wir möchten die Legitimität dieses Labels insbesondere auf technischem und multidisziplinärem Fachwissen aufbauen. Bei LSC360 verfügen wir dank unserer 300 Mitarbeiter, die auf Bereiche wie Umwelt, Stadtplanung, Mobilität, Wasser, Boden, Regulierung, Bauwesen, Infrastruktur usw. spezialisiert sind, über ein sehr breites Spektrum an Kompetenzen, das es uns ermöglicht, alle Aspekte eines Projekts funktionsübergreifend anzugehen und multidisziplinäre Teams zu bilden, die sich systematisch mit jedem Thema befassen.

TB: Und dieses Label muss auch unsere Werte verkörpern. Nachhaltigkeit und Resilienz sind nicht nur Worte, die wir in unserer Kommunikation verwenden. Es sind Verpflichtungen, die wir in die Tat umsetzen. Wir möchten Projekte hervorheben, die weit über den regulatorischen Rahmen hinausgehen, die innovativ sind und Best Practices anwenden. Wir wollen uns bei der Zertifizierung eines Projekts nicht mit dem regulatorischen Minimum zufrieden geben.

CD: Letztendlich ist unser Ziel klar: Wir wollen, dass dieses Label zu einem echten Maßstab wird. Um dies zu erreichen, wird es vollkommen transparent sein. Das Bewertungsraster und die Kriterien werden für alle zugänglich sein, damit jeder das Instrument verstehen und sich damit identifizieren kann. Vor allem muss es öffentlich sein. Es wird so konzipiert sein, dass es dem kollektiven Interesse dient und nicht kommerziellen Interessen entspricht.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit rund um das SERENE-Label strukturiert, um seine Wirksamkeit und Akzeptanz bei allen Beteiligten sicherzustellen?

TB: Es basiert auf einer dreistufigen Organisation, in der jeder Beteiligte eine klar definierte Rolle spielt, um die Relevanz und Wirksamkeit des Projekts sicherzustellen.

Auf der ersten Ebene stehen die drei Hauptsäulen des Projekts: NeoBuild, LIST und wir, LSC360. Gemeinsam steuern wir die allgemeine Ausrichtung des Labels, koordinieren die verschiedenen Interessengruppen und stellen technisches Fachwissen sowohl in der theoretischen Wissenschaft als auch in der praktischen Anwendung zur Verfügung. Diese Komplementarität ist von entscheidender Bedeutung.

Die zweite Ebene besteht aus einem Beratungsausschuss, der Feedback zur Relevanz des vorgeschlagenen Indikatorrahmens und der strategischen Ausrichtung geben wird. Dieser Ausschuss wird in den kommenden Wochen gebildet. Er wird wichtige Akteure des Sektors zusammenbringen, darunter Ministerien, lokale Behörden, Gewerkschaften sowie private und öffentliche Bauträger. Diese Gruppe wird regelmäßig einberufen, um zu diskutieren, zu reagieren und aktiv zur Entwicklung des Labels beizutragen. Ihre Beteiligung ist entscheidend, um politische und wirtschaftliche Fragen sowie lokale und nationale Prioritäten zu integrieren. Durch ihre Zusammenarbeit werden diese Interessengruppen eine Vielfalt von Perspektiven einbringen und Entscheidungen fördern, die die Realitäten vor Ort widerspiegeln.

Die dritte Ebene schließlich umfasst eine Arbeitsgruppe zum Label, die derzeit ebenfalls eingerichtet wird. Sie wird die Indikatoren testen, die entsprechend den Erwartungen der öffentlichen und privaten Akteure entwickelt wurden. Obwohl sie nicht in alle Phasen des Prozesses eingebunden sein wird, wird sie über den Fortschritt des Projekts auf dem Laufenden gehalten und gebeten, bei Bedarf Feedback zu geben. Diese Ebene gewährleistet maximale Transparenz und eine breite Akzeptanz des Labels, sodass sich alle Akteure einbezogen fühlen.

CD: Diese dreigliedrige Organisation hat ein klares Ziel: die Schaffung eines einseitigen, aufgezwungenen, isolierten Labels zu verhindern. Das Ziel ist es, gemeinsam ein Instrument zu entwickeln, das bereits bei seiner Einführung von allen Akteuren akzeptiert und angenommen wird.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit LIST und Neobuild?

TB: Von Beginn des Entstehungsprozesses des SERENE-Labels an war uns klar, wie wichtig die Zusammenarbeit mit anderen wichtigen Akteuren der Branche ist, um die Relevanz und Wirksamkeit des Labels sicherzustellen. Als privates Unternehmen haben wir weder den Anspruch noch die Legitimität, ein Label allein zu entwickeln, da es auf dem luxemburgischen Markt nur wenig Wert gehabt hätte. Deshalb haben wir uns an LIST gewandt, eine öffentliche Organisation für angewandte Forschung, die wiederum eine Verbindung zu NeoBuild, einem Innovationszentrum für die Baubranche, hergestellt hat. Diese Zusammenarbeit hat es uns ermöglicht, unser Fachwissen und unsere Ressourcen zu bündeln. Jeder der Partner hat eine ergänzende Perspektive eingebracht: LSC360 mit seinem fundierten Wissen über lokale Themen und Planungsprojekte, LIST mit seinem wissenschaftlichen Ansatz und seinen Forschungskompetenzen und Neobuild mit seinem Fachwissen in den Bereichen nachhaltige Innovation und Zertifizierung sowie Kommunikation.

CD: Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung dieser beiden Organisationen. LIST ist die eigentliche administrative und wissenschaftliche Triebkraft hinter dem Projekt. Es verfügt über die Erfahrung und die Kapazitäten, um komplexe Vorgänge zu bearbeiten, wie sie beispielsweise vom Nationalen Forschungsfonds (FNR) verlangt werden, dessen Förderanträge ein hohes Maß an Präzision und Datenvolumen erfordern. Neben dieser administrativen Unterstützung stehen die wissenschaftliche Methode und die in diesem Forschungszentrum verfügbare Intelligenz im Mittelpunkt der technischen Entwicklung des Labels. Wir, LSC360, werden unsere Erfahrung in diesem Bereich einbringen. Es muss ein Gleichgewicht zwischen unserem Pragmatismus und der wissenschaftlichen Exzellenz von LIST gefunden werden. Das Ziel ist es, die richtige Balance zu finden, damit das Label das Beste aus beiden Welten nutzen kann.

NeoBuild spielt eine zentrale Rolle als Motor für Kommunikation und Zertifizierung. Es bringt seine organisatorischen Fähigkeiten und seine Verbindungen zu anderen Interessengruppen ein.

Wann planen Sie die offizielle Einführung des Labels?

CD: Die Diskussionen begannen vor etwa zwei Jahren. Wir haben jetzt einen Dreijahres-Finanzierungsplan mit dem LIST, und das Ziel ist es, das Label bis Ende 2027 oder Anfang 2028 vollständig einsatzbereit zu haben. Wir haben einen genauen Zeitplan mit einem klaren Ziel und haben auch eine Risikoanalyse durchgeführt. Vor der Einführung werden wir das Label an zwei Pilotstandorten testen, um seine Wirksamkeit zu bewerten und gegebenenfalls anzupassen. Es ist ein dynamischer Prozess, aber das Ziel bleibt, alles im Jahr 2027 abzuschließen.

TB: Derzeit gibt es in unserem Antrag beim Nationalen Forschungsfonds zwei Arten von Pilotstandorten: ein von Grund auf neu geschaffenes Stadtviertel und ein bestehendes Stadtviertel, das einer Stadterneuerung und -sanierung unterzogen wird. Aber das sind noch Beispiele; andere Standorte könnten unseren Kriterien besser entsprechen, sodass noch alles angepasst werden kann. Sicher ist, dass wir dieses Label in der Praxis getestet, die Kriterien auf der Grundlage von Rückmeldungen angepasst und somit ein Label anbieten wollen, das wirklich an die Gegebenheiten in Luxemburg angepasst ist. Darüber hinaus werden wir, sobald die ersten Entwürfe des Labels erstellt und genehmigt sind, lange vor der offiziellen Einführung, diese in allen unseren Projekten verwenden, um die Entwicklung von Stadtvierteln in Luxemburg zu steuern und Feedback zu sammeln.

Artikel veröffentlicht in Lëtzebuerger Gemengen 265

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